Faser und Stoff - Textilatelier Dr. Burgemeister
  

Accessoires

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Kopfbedeckungen

Für Frauen findet sich in den Quellen eine scheinbar endlose Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten der Kopfbedeckungen. Hinzukommt auf Abbildungen das Tragen von Hauben und Mützen, die eigentlich eher den Männern zuzurechnen sind (siehe Männeraccessoires). 

Für die Hauben lässt sich trotz der Vielfalt eine grundlegende Konstruktionstechnik erkennen:

- ein Steuchlein als Unterhaube (ggf. mit Wulst zur Kopfformung)
- darüber ein Kopftuch in unterschiedlicher Drapierung (u.a. als gefältelte Variante). 


Kopftuch

Bei den Kopftüchern war gerade die Anzahl der "Vachen" also der Fächer bzw. Umwicklungen des Kopfes wichtig zur Darstellung des eigenen Wohlstands. 

Die Grundform ist meist ein längliches Rechteck. Als Material kommen Leinen, Baumwolle und Seide oft vor. Baumwolltücher waren das einzige Kleidungsstück das aus reiner Baumwolle hergestellt wurde - dennoch besaß es laut der Regensburger Kleiderordnung kaum einen Wert. 

Als Größe empfehle ich mind. 3m Länge, die Breite liegt meist bei 50-60cm. 
Die Kopftücher werden aus einer breiteren Stoffbahn geschnitten und am Rand mit Überwendlingsstichen schmal eingefasst. Dabei handelt es sich um einen Kompromiss, da derart schmal gewebte Bahnen nicht in der geeigneten Feinheit verfügbar sind. 

Preise: ab 120,- € (inkl. Leinen)


Steuchlein

Im 15. Jahrhundert wurde das Steuchlein noch nicht allgemein offen sichtbar getragen.* Es gab jedoch erste Bestrebungen hierzu, da die darüber getragene Haube mit Kinnbinde als nicht mehr modisch empfunden wurde – zugleich aber als Statussymbol fungierte. Dementsprechend findet sich das Steuchlein bereits auf einigen Frauenporträts vor 1500 als einzige Kopfbedeckung. Eine kurzzeitige Übergangsform stellte das Tragen von Steuchlein und Haube mit gelöster Kinnbinde dar, wobei auch die übrige Stofffülle im Nacken offen hängen gelassen wurde (siehe Bild unten) 

Die genaue Konstruktion ist nicht überliefert, daher handelt es sich bei dem Steuchlein um eine Interpretation, die vor allem der Formgebung unter dem Kopftuch dient. 
Als Grundlage nutze ich einen Wulst, der mit Schafwolle gefüllt wird. Darüber wird das Leinen drapiert und auf der Rückseite in Falten gelegt und in dieser Form festgenäht. Der Verschluss erfolgt über eine (versteckte) Schnürung aus Leinenbändern im Nacken. Darüber liegt - wie auf den Abbildungen der Zeit - der restliche Leinenstoff wie ein Zopf. 

Preise:  140,- € (inkl. Material) 

Brusttuch

Das Brusttuch wurde unter die offene Schnürung der Unterkleider gelegt, damit das Unterhemd nicht sichtbar wurde. Da hierfür nur eine sehr geringe Menge Stoff nötig war und die Konstruktion relativ einfach ist, wurden Brusttücher vorwiegend aus wertvollen Materialien gefertigt. An erster Stelle stehen hierbei Seidenstoffe, Damast und Atlas. Zur Stabilisierung wird auf der Innenseite mit Leinen gefüttert. 
Die Größe richtet sich nach der benötigten Weite und Tiefe und wird an das jeweilige Kleid angepasst. Den besten Halt hat das Brusttuch, wenn es auf einer Seite unsichtbar festgenäht wird und auf der anderen mit Haken und Ösen befestigt wird.

Preise: ab 40,- € (inkl. Leinenfutter und Seide als Außenstoff)


Ansteckärmel

Die losen Ärmel, die an Unterkleider angesteckt werden können, erfreuen sich in der historischen Darstellung großer Beliebtheit. Sie sind jedoch weitaus seltener, als man vermuten könnte. In den Kleiderordnungen kommen Sie vorwiegend als Aufwertung unter Flügelkleidern vor. 

In jedem Fall waren Sie, aufgrund des geringen Materialverbrauchs und der Quellenlage, meist nicht aus einfachen Wollstoffen. Üblich waren dagegen in der gesamten Bevölkerung Seidenstoffe, Damaste und sogar Brokate. Auch hochwertige Wollstoffe (z.B. Scharlach) und teuere Färbungen waren möglich.

Ich fertige Wollärmel ohne Fütterung, damit sie sich gut anschmiegen. Bei Seidenstoffen ist dagegen ein Futter aus Leinen für die nötige Stabilität vorteilhaft. 

Preise:  ab 80,- € (inkl. Wolle) / ab 110,- € (inkl. Seide und Leinen, gefüttert)


*Zander-Seidel, Jutta: „Haubendämmerung“. Frauenkopfbedeckungen zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit. In: Rainer C. Schwinges/Regula Schorta (Hg.): Fashion and clothing in late Medieval Europe. Mode und Kleidung im Europa des späten Mittelalters. Basel 2010, S. 37–44.


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