Faser und Stoff - Textilatelier Dr. Burgemeister
  

Unterkleider

 (zurück zur Übersicht Frauenkleidung)

Die Unterkleidung diente als einfache Bekleidung im Haus und wurde meist nicht offen getragen. Dennoch wurde sie durchaus luxuriös ausgestaltet. Gerade die unter dem Oberkleid sichtbaren Bereiche an Hals und Ärmeln wurden gerne mit Seidenverbrämungen aufgewertet, wie u.a. Kleiderordnungen belegen. Dort wird sie in Bayern auch als "Pfait" bezeichnet. Diese Kleidung kann nie weggelassen werden!

Unterkleider waren allgemein sehr variabel in ihrer Gestaltung. Bereits Pylkkänen stellte in ihrem Aufsatz von 1960* fest, dass diese Kleider vom Schnitt zur Oberkleidung, vom Material (meist Leinen) jedoch eher zur Unterwäsche zu rechnen sind. 

Am unteren Rand wird bei allen Varianten gern ein Stoffstreifen aus anderem Material angebracht, der unter den Oberkleidern hervorschaut und damit das ganze Kleid aufwertet. (Aufpreis: 50,-€)

Gefälteltes Kleid

Eine interessante Variante, die in Kleiderordnungen oft erwähnt wird, sind die gefältelten Kleider.
Sie werden aus Leinen oder Seide gefertigt, für den Winter ist auch dünne Wolle und Barchent möglich.

Das Kleid fällt sehr weit, erst ein Gürtel bringt es in Form.
Alle Nähte werden als Kappnaht ausgeführt. 
Die Fältelung am Hals und Arm wird verbrämt (=mit Stoff eingefasst), Seide ist dabei für alle Gesellschaftsschichten belegt. Die Stichtechnik basiert auf den Lengbergfunden.

Preise:  ab 520,- € (inkl. Material, Einstiegspreis komplett aus Leinen)


Kleid mit angesetztem Rock

Eine völlig neue Konstruktion der Frauenkleidung zeigt sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde erstmals der weite Rockteil separat zugeschnitten und an den engen Torso angenäht. Hierdurch kann die Figur der Trägerin  besser modelliert werden und der Gürtel ist nur noch dekorativ. 

Die Front des Kleides kann geschlossen sein oder etwas offen stehen und mit einem Brusttuch aus Seide oder Damast unterlegt werden. In jedem Fall erfolgt der Verschluss über Nesteln, Haken und Ösen oder eine Kombination aus beidem. 
Die Ärmel können kurz oder lang sein. Lange Ärmel waren in geschlossener und offener (geschnürter) Form üblich. Sehr beliebt waren 7/8 Ärmel, die nur bis knapp unter das Handgelenk reichen. 

Preise: ab 540,- € (inkl. einfachem Wollstoff)


Einfaches Unterkleid

Dieses Kleid ist am Oberkörper enganliegend, im Rockteil aber ebenso weit wie die anderen Modelle. 

Der Verschluss erfolgt durch verschiedene Varianten:
     - eine lange Nestel, die von der Hüfte bis zum Hals reicht und durch Nestellöcher gezogen wird
     - Haken und Ösen auf der Innenseite, die von außen kaum sichtbar sind
     - Haken und Ösen von der Taille bis unter die Brust, darüber eine offene Schnürung mit Ösen

Die Ärmel können kurz oder lang sein. Lange Ärmel waren in geschlossener und offener (geschnürter) Form üblich. Sehr beliebt waren 7/8 Ärmel, die nur bis knapp unter das Handgelenk reichen. 

 Preise: ab 520,- € (inkl. einfachem Wollstoff)

*Pylkkänen, Riitta: Überreste von Leinenunterzeug aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts in Finnlands Nationalmuseum. In: Waffen- und Kostümkunde. Band 2 (1960), S. 80–87.


 (zurück zur Übersicht Frauenkleidung)